Allgemeines

Diagramm zur Populationsentwicklung von Pterapogon kauderni
Populationsentwicklung von Pterapogon kauderni [3]

Der Benggai-Kardinalbarsch (Pterapogon kauderni) gehört sicher zu den am einfachsten zu züchtenden Korallenfischen. Trotzdem kommen immer noch Wildfänge in den Handel.

Da diese Kardinalbarsche nur ein sehr kleines Verbreitungsgebiet haben, sind die natürlichen Bestände sehr gefährdet. Dazu kommt die (für Korallenfische) niedrige Reproduktionsrate (maximal 170 Exemplare / Jahr [1]), was ein Stabilisieren der Bestände nur langsam ermöglichen würde.

Die geringe Reproduktionsrate ist es aber auch, was diesen Fisch für die kommerzielle Zucht noch nicht so interressant erscheinen lässt (zumindest nicht, solange noch kein Einfuhrverbot besteht, dieses wird aber schon länger diskutiert). Daher ist eine Zucht von privaten Haltern umso wichtiger.

Nachfolgend möchte ich Ihnen einen Überblick über die Zucht geben und Tipps und Erfahrungen, die ich bei meinen Aufzuchten gemacht habe, vermitteln. Bei Fragen stehe ich gerne jederzeit zur Verfügung. Schreiben Sie mir einfach eine E-Mail an mail AT joscha-krug.de.

Geschlechtsunterschiede beim Benggai-Kardinalbarsch

Die Benggai-Kardinalbarsche (Pterapogon kauderni) scheinen, im Gegensatz zu verschiedenen anderen Riffbarschen, wie beispielsweise der falsche Colwnfisch "Amphiprion occellaris", keine Geschlechtswandler zu sein.

Um ein Zuchtpärchen zusammen zu stellen, empfiehlt es sich eine Gruppe mit mehreren halbwüchsigen Tieren zu erwerben und zu warten, dass sich darin ein Paar findet. Dieses kann dann in ein gesondertes Zuchtbecken gesetzt werden.

Im Meer lebt dieser Kardinalbarsch in großen Schwärmen. Adulte Tiere neigen jedoch in Gefangenschaft zu innerartlichen Aggresivität, wenn sie in Gruppen gepflegt werden. Die Paarhaltung ist also vorzuziehen.

In den Videos von meinem Zuchtpärchen sind die Geschlechtsunterschiede gut zu erkennen.

Weitere Hinweise zu Geschlechtsunterschieden bei Korallenfischen finden Sie hier.

Pterapogon Kauderni Männchen

Flash ist Pflicht!

Das Männchen des Benggai-Kardinalsbarsch ist an den zwei "Stacheln" am Hinterleib ganz gut zu erkennen. Die Geschlechtspapillen sind kurz vor der Paarung am deutlichsten zu erkennen, da sie in dieser Zeit anschwellen und weiter hervortreten.

Pterapogon Kauderni Weibchen

Flash ist Pflicht!

Im Gegensatz zum Männchen, weist das Weibchen nur einen "Stachel" zwischen den Flossen auf.

Geschlechtsmerkmale

Geschlechtsmerkmale beim Benggai-Kardinalbarsch

Wolfgang Mai [2] hat mir freundlicherweise das nebenstehende Bild gesendet. Auf diesem sind die Geschlechtsmerkmale nochmal direkt im Vergleich zu sehen. 

Aufzucht und Futter

Aufpäppeln der Männchen:

Häufig kleine Portionen hochwertiges Futter füttern. Ich verwende hierzu im Normalfall tiefgefrorene Mysis. Direkt nach dem Ausspucken der Jungen hilft es Muschelherzen zu hacken und mit dem Inhalt einer Lachölkapsel zu beträufeln. Das ganze dann einen halben Tag in den Kühlschrank stellen. Anschließend kurz(!!!) abspülen um das überflüssige Öl zu entfernen und das dann direkt zu verfüttern. Wird allerdings nicht immer genommen.

Tipp zur Fütterungszeit:

Die Kardinalbarsche sind recht langsame Fresser. Sie kommen im Gesellschaftsbecken / Riffaquarium daher oft zu kurz. Allerdings sind sie (vor allem wenn ein Mondlicht installiert ist) meist deutlich länger aktiv als die anderen Fische. Dann kann man spät Abends / Nachts, wenn die anderen Fische schlafen und die Strömung das Futter nicht so weg reisst ganz gezielt diese Barsche füttern. Zudem ist es sehr schön anzusehen, wie die Kaudernis in der Dunkelheit jagen.

Fragen und Antworten

Frage: Männchen schluckt die Jungen

Hallo,

ich habe ein Pärchen Kauderni.

und ein kleines Problem.

Das Männchen hat die Eier leider immer nur so ca. 24 Tage im Maul. Entweder frisst er sie dann auf oder ich habe noch nie gesehen ob ern Junge rauslässt. Können sie mir sagen, an was das liegt, dass er immer so kurz vor Ende die Eier frisst oder kann es sein, dass er die Babys zwar rauslässt aber unmittelbar danach gleich frisst?

Für ihre Tipps bedanke ich mich schon mal im Vorraus

Danke

Antwort

Hallo,

freut mich, so ein Feedback auf meine Homepage zu bekommen. Daher gerne auch hier direkt eine Antwort.

Also es sind beide angesprochenen Ursachen möglich.

Das eine ist, dass er sie direkt nach dem Ausspucken frisst. Habe ich selber schon erlebt. Hier hilft meiner Meinung nach, ihn künstlich zum Ausspuckten zu bewegen und die Jungen direkt zu separieren. Das geht am einfachsten, indem du ihn vorsichtig mit einem Kescher fängst und ihn dann kurz aus dem Wasser hebst. Allerdings würde ich das nicht vor dem 26. 27. Tag machen, da sonst die Wahrscheinlichkeit zu hoch ist, dass die Jungen nicht überleben.

Möglichkeit zwei ist, dass er sie direkt schluckt. Dies ist, so hart es klingt dann eigentlich erstmal gut. Denn es dient dazu, dass er selber nicht verhungert. 30 Tage ohne Futter sind ja nicht so ganz einfach rum zu bringen. Bevor er nun selber verhungert, verschluckt er die Jungen. Hier hilft es, ihn vor dem neuen Ablaichen aufzupäppeln.

[...]

Ich hoffe geholfen zu haben. Bei weiteren Fragen einfach melden.

Gruß Joscha Krug

 

Frage: Tipps zur Aufzucht

Hallo Joscha,

bin durch Zufall über Deine Seite gestolpert, da ich mehr Informationen zur P. kauderni Nachzucht gesucht habe. Sehr schöne Homepage übrigens! :-)

Evtl. hast Du einen Tipp für mich. Mein Pärchen P. kauderni aus Nachzucht bekommt Nachwuchs. Das Männchen hält tapfer durch und müsste kommende Woche die Jungen "ausspucken". Da wir ein 650 L Riffbecken haben (mit diversen anderen Bewohnern) gestaltet sich ein Herausfangen des Männchens als schwierig.

Ich hab nun ein Einhängebecken besorgt, in dem ich die Jungen aufziehen möchte. Denkst Du ich habe eine Chance die Jungfische aus dem Hauptbecken in das Einhängebecken zu bekommen? Ich habe mir eine Artemia-Aufzuchtstation besorgt, würde es aber auch gerne mit gefrorenen Lobstereiern und Cyclops probieren. Wie sind denn da Deine Erfahrungen?

Vielleicht kannst Du mir ja weiterhelfen! Würde mich sehr über eine Antwort freuen!

Liebe Grüße

Antwort

Wenn du nicht zu viele Räuber in deinem Becken hast, kann es sein, dass, auch wenn du die Jungen gar nicht versorgst, einige überleben. Die kleinen Kardinalbarsche sind überaus genügsam. Vielleicht hast du ja eine Ecke mit Caulerpa, das erhöht die Chancen. Oder wenn du die Natur nachempfinden möchtest, hast du sogar einen Diademseeigel. Aber ich denke, der ist bei 650 Litern noch nicht drin. Oder?

Also zur Alternative: Ich habe mir aus Acrylglas ein Aufzuchtbecken gebaut, welches ein paar mit Gaze überklebte Löcher für den Wasseraustausch hat. So kann ich Artemia Nauplien in das Aufzuchtbecken geben die dort bleiben wo sie sollen und trotzdem werden die Jungen über das Hauptbecken mit "Frischwasser" versorgt.

Kurz vor dem errechneten Ausspucken (1-2 Tage vorher) treibe ich das Männchen vorsichtig(!!!) in das quer liegende Acrylbecken und richte es dann auf. Ich habe am Acrylbecken selber eine Aufhängung für die Scheibe des Hauptbecken, so dass ich es dann problemlos befestigen kann. (Zusätzlich sichere ich es einfach mit einem Scheibenmagneten.)

Wenn das Männchen jetzt die Jungen ausgespuckt hat, kann man es problemlos wieder heraus fangen und die Jungen sind "unter Kontrolle". Ich gebe in das Aufzuchtbecken eine große Portion Caulerpa taxifolia, da ich es einmal erlebt habe, das der erschöpfte Vater direkt nach dem Ausspucken den Jungen nachgestellt hat.

Die Artemia Nauplien kann man entweder direkt nach dem Schlupf verfüttern, oder vorher anreichern. Ich verwende zum Anreichern Selco (Plus), was ich über den Meerwassershop von Herrn Mrutzek beziehe und reichere die Nauplien im Kühlschrank an.

Viel Erfolg bei der Aufzucht wünsche ich dir! Ich würde mich freuen, wenn du über deine Erfolge berichten magst.

Gruß Joscha

Frage zu Schock und Anreicherung von Artemia

Artemia Nauplien hab ich und füttere seit Anfang an zu. Wir haben auch ein "provisorisches" Einhängebecken mit Luftheber, in das ich die Jungfische nach dem Rausfangen aus dem großen Becken eingesetzt habe. Es waren 18 Stück, einer ist nach der 1. Nacht gestorben. Bisher funktioniert es ganz gut. Wobei mir gestern bei Transmarine wenig Hoffnung gemacht wurde, die Kleinen groß zu kriegen. Nach 10 Tagen sollen sie extrem schockempfindlich sein. Da ich im Einhängebecken auch mal Absaugen muss, hab ich schon etwas Angst, dass sie es mir trotz künstlichem Seeigel übel nehmen werden.
Ich seh mich grad nach einem Nanobecken um, da mir die Aufzucht in dem Einhängebecken zu umständlich ist. Muss mal sehen, was es da für Alternativen gibt.
[...]
Kannst Du mir noch erklären, wie du die Nauplien anreicherst?

Antwort

18 Tiere sind ja schon eine ganz gute Zahl! Respekt. ich hatte nicht so viele beim ersten Wurf.

Um die Kleinen brauchst du dir keine Gedanken machen. Das mit dem Schock habe ich bisher noch nicht erlebt. Ich habe (leider vergessen wo) gelesen, dass dies wohl sehr stark mit der Wasserqualität zusammenhängt. Ergo: Gute Qualität = wenig Verluste durch "Schocks". Deshalb bin ich auch ein großer Verfechter davon, den Nachwuchs per Einhängebecken im Becken der Eltern zu belassen. In einem Nano sind die Werte eben doch schneller verhunzt, als bei 650 oder 700 Litern aufwärts.

Wie hast du denn den künstlichen Seeigel aufgebaut? Das würde mich interessieren. Ich habe bislang darauf verzichtet und wie gesagt das über Caulerpa gelöst.

Warum musst du in dem Einhängebecken absaugen? Ist das nicht mit dem Hauptbecken verbunden?
[...]
Das Anreichern der Nauplien ist eigentlich ganz simpel: Siebe die Nauplien einfach ab und stelle Sie mit etwas Selcos in einer Petrischale oder einem Schnapsglas für einen halben Tag bzw.über Nacht in den Kühlschrank. Anschließend kannst du sie einfach heraus nehmen, abspülen (mit ein wenig Salzwasser) und dann verfüttern. Die Jungen wachsen dann meiner Meinung nach zwar nicht schneller, entwickeln aber ein satteres Schwarz und wirken allgemein kräftiger.
[...]

Gruß Joscha

Quellen

[1] W. Mai, in Nachzuchten für das Korallenriffaquarium, 2004

[2] W. Mai, Website: http://www.marinfischzucht.de/

[3] Illustration: Marubis e.V. / Claudia B., Website: http://www.marubis.de/